Luigi Toscano | photographie mediengestaltung artwork
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Mannheim stellt sich dem Objektiv. 72 Stunden Homebase.
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Rede zur Ausstellungseröffung von "72 Stunden Mannheim" am 26. November 2004 in der Galerie superart von Alexa Becker (Kunsthistorikerin).
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72 Stunden Mannheim

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde, ich freue mich, Sie so zahlreich zur Fotoausstellung „72 Stunden Mannheim“ begrüßen zu können.

Luigi Toscano ist kein Unbekannter hier in Mannheim. Viele werden ihn aus seiner Zeit als Türsteher im SoHo Club kennen, andere aus Kneipen und Cafés wie dem Rizz, Odeon oder Murnau, wo er nicht nur gerne seinen Kaffee trinkt, sondern auch als Fensterputzer anzutreffen war. Mittlerweile ist er jedoch auch durch seine charakteristischen Schwarzweiß Fotografien bekannt geworden, die zuletzt bei der Eröffnung des Musikparks zu sehen waren.

Toscano ist nicht nur jemand, der auf den Auslöser drückt, sondern jemand der ein Auge für die Schönheit alltäglicher Dinge hat, jemand der vieles wahrnimmt. Das scheinbar Unscheinbare kreativ umzusetzen und ihm ein neues Forum zu verleihen, ist ein Muss für ihn und so arbeitet er sich immer wieder in neue Techniken ein: zuerst war es das zweckgebundene Mediendesign, dann folgte die Fotografie, und mittlerweile ist er auch beim Video Clip gelandet.

Der amerikanische Fotograf Lewis W. Hine hat treffend formuliert was auch aus Toscanos Munde stammen könnte: „Wenn ich die Geschichte in Worten erzählen könnte, brauchte ich keine Kamera herum zu schleppen.“

Zum Glück schleppt Luigi Toscano jedoch die Kamera mit sich herum, denn daraus sind die 72 Stunden Serien entstanden: Es handelt sich um Städteporträts , die innerhalb eines 72stündigen Foto-Marathons vor Ort entstehen – spontan, situationsbedingt, unmittelbar.

Nach den Städten Prag und New York, folgt nun die heiß ersehnte Mannheim Studie – das lange angekündigte „Heimspiel“ Toscanos.

Um genau zu sein, ist Mannheim weder die Geburtsstadt
noch die richtige Heimat Toscanos, aber die vorerst längste Station in einem bewegten und von Ortswechseln geprägtem Leben.

Der Fotograf richtet seinen unvoreingenommenen Blick auf Dinge, die Ihnen, die Sie vielleicht in Mannheim wohnen, vielleicht gar nicht mehr auffallen, wie das historische Backsteinkiosk an der langen Rötterstraße.

Es sind Straßenecken in der Schwetzinger Vorstadt mit parkenden Autos, die so alltäglich sind und doch in der Fotografie mit einer überraschenden Stärke daher kommen. Toscano hat bewusst davon abgesehen, klischeehafte Impressionen Mannheims erneut aufs Korn zu nehmen, er hat allen Orten eine Chance gegeben:
In den 72 Stunden, in denen er Mannheim zu Fuß durchquert hat, versuchte er sich an seine Ankunft in Mannheim vor acht Jahren zu erinnern. - An die ersten Stunden, Tage und Wochen. Mit der Distanz des Unwissenden.

Und gleichzeitig in der prosaischen Gegebenheit einer Situation die ihr innewohnende Magie zu entlocken– und sei es nur eine Unterführung oder ein Industriegebäude.

Was jedes einzelne dieser Porträts charakterisiert – und das werden Sie am besten beurteilen können – ist ihre Glaubwürdigkeit.

Wenn Luigi Toscano die Fahrbahn des „Suezkanals“ fotografiert sieht man dem Bild an, dass er weiß, wie sich die Straße angefühlt hat. Und auf die Fahrbahn des Tunnels bricht von schräg oben ein Lichteinfall herein, der einen an eine aufreißende Wolkendecke nach einem sommerlichen Gewitter denken lässt.

Brücken, Häuserfronten, die steil in den Himmel ragen, Szenen eines Basketballspiels unter freiem Himmel vermitteln Authentizität, ohne den Charakter der Kunstfotografie einzubüßen. Hier wird mit dem gegebenen Licht gearbeitet, per Hand entwickelt und von allen beschönigenden Möglichkeiten der heutigen Technik abgesehen.

Mannheim ist, wie es ist, und so sind Toscanos Bilder. Ohne Schmeichelei aber mit aufrichtigem Respekt, mit einer Verbeugung vor der Schönheit, die erst sichtbar gemacht werden will, ist „72 Stunden Mannheim“ eine Liebeserklärung an die Stadt, deren Straßen keine Namen haben.