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72 Stunden Prag Ich darf Sie und euch ganz herzlich zu der Fotoausstellung „72 Stunden Prag“ von Luigi Toscano hier im Café Prag in Mannheim begrüßen. Was wir hier, in diesem charmanten Café ausgestellt sehen, sind 16 Aufnahmen der „goldenen Stadt“ an der Moldau. Es sind Bilder einer Stadt, die eine weit zurückreichende Geschichte hat, die unendlich oft in der Literatur und in Bildern aufgegriffen wurde und die jedes Jahr von unglaublich vielen Touristen besucht und auch fotografiert wird. Wie macht man Aufnahmen von einer Stadt wie Prag, ohne Bilder zu bekommen, die jeder glaubt schon tausend Mal gesehen zu haben? Wie kann es gelingen, malerische Plätze zu fotografieren, ohne in Kitsch zu verfallen? Ich weiß nicht, ob sich Luigi Toscano zu Beginn seines Projekts diese oder ähnliche Fragen gestellt hat- jedenfalls hat er das getan, was diejenigen, die ihn ein wenig kennen, auch von ihm erwarten würden: er ist einfach hingefahren und hat’s „gemacht“. „72 Stunden Prag“ ist auch eine biographische Geschichte: die 72 Stunden, in denen die Aufnahmen letztes Jahr im Dezember entstanden sind, waren eine Wiederbegegnung zwischen dem Fotografen und der Stadt. Wenn man genauer hinsieht, möchte man meinen, es habe sich um ein intimes Treffen gehandelt. Keine Menschenmassen, die sonst zu allen Jahreszeiten öffentliche Plätze und Touristenattraktionen überfluten, stören unseren Blick. Kein Mensch ist zu sehen. Eine Ruhe, die kaum zu beschreiben ist, entfaltet sich zwischen dem Motiv und dem Auge des Betrachters. – Egal ob es sich um eine Rolltreppe handelt, die sich lasziv streckt, um matt glänzendes Kopfsteinpflaster, das von Generationen rund getreten wurde, oder um einen kalten Bahnsteig, auf dem der Abschied nicht mehr zu sehen ist. Ungestört erleben wir die nächtliche Aussicht von der Prager Burg auf die Stadt, der Blick wird von dunstigen Lichtkugeln zum Horizont gezogen, Platz für Versenkung und die Illusion von ewiger Stille. Gleichberechtigt daneben der clean designte U-Bahnschacht, neonbeleuchtet und staubfrei. Und natürlich das Auto mit dem schönen Augenaufschlag – niemand kommt und muss es eben schnell umparken, um einem Strafzettel zu entgehen. Die Situationen werden übrigens jeweils durch eine ganz leichte Asymmetrie bestimmt, die Unruhe in die scheinbar unbewegten Szenen bringt und sie lebendig macht. Im Titel der Bilderserie steckt der Zeitbegriff, der an verschiedenen Stellen in den Fotografien selbst sichtbar wird: So sehen wir in den Abzügen die Uhrzeit, den Zeitpunkt vermerkt, an dem die Bilder gemacht worden sind. Die Zeitangabe, die gleichzeitig der Titel des einzelnen Werks ist, verschmilzt mit dem Motiv an sich: Schrift, inhaltliche Angabe, Symbol und visueller Eindruck sind zu einer Einheit verwoben. - Anders als bei den meisten Kunstwerken, deren Titel beispielsweise im Museum mit einem separaten Schildchen ausgewiesen wird, wodurch das Werk in Titel, Zeichen und Bild aufgelöst werden kann. Tatsächlich sind Luigi Toscanos Fotografien nicht nur Abbilder, sondern im eben angedeuteten Sinne Gesamtkunstwerke. Und auf einer weiteren Ebene, nämlich hier im Rahmen eines solchen Abends, erleben wir auch ein Gesamtkunstwerk: Wir haben das Ineinanderfließen der Bilder der Präsentation gesehen in Verbindung mit Musik, die auf ihre Art die eigenwillige, süße, ambivalente Schönheit Prags und der Bilder begleitet hat. Das Kommen und Gehen der Bilddateien hat vielleicht nicht immer in unserem Rhythmus stattgefunden, doch was jetzt bleibt, sind die stillen Momentaufnahmen, die uns - auf Papier gebannt- alle Zeit geben, den Blick auf sie zu richten. Luigi Toscano hat eine intuitive Auswahl von Orten getroffen, die er im wohltuend anderen Blick zeigt, indem er ihnen ihr gegebenes Licht lässt und sie, vom Menschen befreit, in ihrer Zeitlosigkeit zu Wort kommen lässt. Abschließend darf ich darauf hinweisen, dass wir uns auf weitere 72 Stunden Projekte freuen dürfen, in denen weitere bekannte Städte wie New York uns ihr anderes Gesicht zeigen werden. Für den Moment möchte ich jedoch allen einen schönen weiteren Abend wünschen, mit den hier gezeigten Fotoarbeiten und der Musik von Laurent Leroi. Danke für Ihre Aufmerksamkeit und den Applaus für Luigi Toscano. |




